Aktuelle Sonderausstellung "mode macht geld. Die globale Modeindustrie, mein Kleiderschrank und ich" regt zum Nachdenken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Kleiderkonsums an. Wer zahlt den wahren Preis für Fast Fashion und wie finden wir neue Wege für einen nachhaltigen Umgang mit Kleidern?
Unser Modekonsum steigt und steigt. Fast Fashion herrscht on- und offline. Wie ist die immer schnellere und günstigere Produktion möglich? Wer gewinnt, wer verliert? Und was steckt in meinem Kleiderschrank? Die Ausstellung bewegt sich entlang der Wertschöpfungskette vom Baumwollanbau über Konfektion und Marketing bis hin zur Entsorgung oder Weiterverarbeitung. Historische Fenster spiegeln die Gegenwart der Textilindustrie seit dem 19. Jahrhundert.
Die Ausstellung führt die heutige Faktenlage zur Fast Fashion-Industrie auf und kann an Sonntagen selbständig besichtigt werden. Die Inhalte sind in Zusammenarbeit mit der Recherche-NGO Public Eye (ehemalige: Erklärung von Bern) entstanden und geben den Besuchenden einen vertieften Einblick in die aktuellen Auswirkungen unseres Kleiderkonsums. Eine eigens für die Ausstellung entstandene Arbeitsgruppe lädt die Besuchenden zum zusammen nachdenken und diskutieren ein. Wie steht es um meinen Kleiderkonsum? Verhalte ich mich nachhaltig? Wie kann ich dazu beitragen, dass Kleider sauber und fair hergestellt werden? Die Ausstellung schärft das Bewusstsein für die Thematik und inspiriert mit möglichen Lösungen.
Sonderausstellung "mode macht geld": Verlängert bis Oktober 2026!
Die im Mai 2024 eröffnete Sonderausstellung «mode macht geld» ist noch bis Ende Oktober 2026 zugänglich:
Öffnungszeiten / Preise Einzelbesuchende Veranstaltungenmode macht geld – ZUGABE
Die Sonderausstellung wird bis Oktober 26 verlängert und um spannende Anlässe ergänzt: inspirierende Referate, Kleidertausch und weitere Highlights. Das detaillierte Programm ist derzeit in Erarbeitung – bleiben Sie gespannt!
Virtueller Einblick "mode macht geld"
Die globale Modeindustrie, mein Kleiderschrank und ich
Die aktuelle Sonderausstellung zeigt die Faktenlage zur Fast-Fashion-Industrie und gibt Impulse zum Nachdenken über unseren Kleiderkonsum. Ergänzend finden Sie hier ausgewählte Einblicke sowie weiterführende Videos und Informationen.
Wer Kleider aus Bio- und Fairtrade-Baumwolle kauft, schont die Umwelt und trägt zu besseren Arbeitsbedingungen auf den Baumwollfeldern bei.
Bio- und Fairtrade-Baumwolle
Bio-Baumwolle wird ohne chemisch-synthetische Pestizide und Mineraldünger produziert und stammt nicht von gentechnisch veränderten Pflanzen. Das Fairtrade-Label steht für strenge Umweltstandards und einen fairen Handelspreis. Für Kleinbäuerinnen und -bauern im globalen Süden bedeuten beide Labels gesündere Arbeit und höhere Einkommen.
Wer beim Kleiderkauf auf Umweltlabels achtet, hilft mit, eine umweltfreundliche Produktion zu fördern
Umweltfreundliche Herstellung
Es gibt viele Labels für eine umweltfreundliche Kleiderproduktion. Nicht alle sind gleich gut. Wenn Modefirmen ihre eigenen Produkte als nachhaltig bezeichnen, kann es sich um Greenwashing handeln. Verlässlicher sind unabhängige Labels wie etwa der Global Organic Textile Standard (GOTS). Er zertifiziert Textilien aus biologischen Naturfasern und berücksichtigt soziale und ökologische Kriterien entlang der ganzen Produktionskette.
«Orientierung im Label-Dschungel» (Flyer von Public Eye)
Wer hat meine Kleider hergestellt?
Transparenz fordern
Viele Modefirmen können oder wollen die einfache Frage «Wer hat meine Kleider hergestellt?» nicht beantworten. Viele kennen ihre Zulieferbetriebe nur ungenügend. Je mehr Menschen sich aktiv nach den Umständen der Kleiderproduktion erkundigen, umso mehr Licht kommt ins Dunkel der Lieferketten. Der Druck wird erhöht, wenn sich Konsumierende zusammentun und gemeinsam Transparenz fordern, etwa im Rahmen der Kampagne #whomademyclothes.
Kampagne Fashion Revolution Switzerland
Marketingtricks durchschauen lohnt sich.
Spiel mit der Angst
Angst, etwas zu verpassen oder die neusten Trends nicht zu kennen? Fast-Fashion-Firmen spielen damit. Mit schnellen Wechseln der Kollektion der täglichen Präsentationen von neuen Kleidern auf Social Media vermitteln sie das Gefühl: Wer dazu gehören will, muss jeden Tag etwas Neues tragen. Auch ihre Tiefstpreise haben eine verlockende Wirkung: Wer ein Schnäppchen macht, hat das Gefühl, etwas gewonnen, nicht etwas ausgegeben zu haben. Wer solche Tricks durchschaut, kann selbstbestimmter einkaufen – und Geld sparen.
Problematische Retour-Sendungen
Wer Kleider online kauft, kann sie zurückschicken, wenn sie nicht passen. Oft werden sie aber fortgeworfen: von Käuferinnen und Käufern, weil Rücksendungen aufwendig und die Kleider oft spottbillig sind. Oder von den Firmen, weil die retournierten Kleider beschädigt, verschmutzt oder aus einem anderen Grund nicht mehr verkäuflich sind. Werden Kleider retourniert und eventuell nochmals verschickt, legen sie Tausende von Kilometern zurück.
Shein-Kleider: Transport-Wahnsinn trübt die Ökobilanz zusätzlich. Beitrag SRF, Kassensturz 6'21''
Re-use your own
Shoppen im eigenen Kleiderschrank
40 Prozent unserer Kleider tragen wir nie oder fast nie. Statt neue Kleider zu kaufen, können wir auch im eigenen Kleiderschrank «shoppen» gehen. Entdecken wir unsere Kleider neu und kreieren daraus neue Outfits!
8 Tipps für einen grünen Kleiderschrank (Video von Greenpeace, 3’42’’)
Das nachhaltigste Kleidungsstück ist immer das, das nicht neu hergestellt werden muss.
Wie lassen sich Textilabfälle verringern?
Den grössten Effekt hätte es, wenn die grossen Modekonzerne von Wegwerfmode auf zirkuläre Produktion umstellen würden. Damit sie das tun, braucht es Gesetze. Die EU plant genau dies: Bis 2030 sollen alle Textilprodukte in der EU langlebig und recycelbar sein, zu einem grossen Teil aus recycelten Fasern bestehen, frei von gefährlichen Stoffen sein und unter Beachtung der sozialen Rechte hergestellt werden. Auch wir können einiges tun: Weniger (neue) Kleider kaufen und diese länger tragen! Noch tragbare Kleider verschenken oder verkaufen statt sie in den Textilcontainer zu werfen. Secondhand-Shops und Kleidertauschpartys sind ein Gegentrend zu Fast Fashion.
15 Millionen Kleidungsstücke pro Woche
In Ghanas Hauptstadt Accra befindet sich der grösste Secondhand-Kleidermarkt der Welt. Jede Woche wird der von 15 Millionen Kleidungsstücken aus dem globalen Norden überschwemmt. Die Händlerinnen kaufen sie von Zwischenhändlern und verkaufen, was sie können. Etwa 40 Prozent der Altkleider sind aber qualitativ schlecht und bleiben liegen. 100 Tonnen Kleider verlassen den Markt täglich als Abfall. Davon sammelt die Stadtverwaltung etwa einen Drittel ein. Der Rest landet in illegalen Deponien, Gräben und Abflüssen und wird zum Teil ins Meer und an die Strände gespült.
Abfallberge wegen Fast Fasion: Das passiert mit unseren Altkleidern. Beitrag SRF, rec. 31'Zirkuläre Zukunft?
In jüngster Zeit entstehen Projekte, die Mode in einer Kreislaufwirtschaft produzieren wollen. Etwa Upcycling: Alte Kleidungsstücke werden zu neuen Kleidern oder Accessoires umgenäht. Besonders in afrikanischen Ländern mit grossen Kleidermüllbergen versuchen Modedesignerinnen, Textilabfälle kreativ zu verwerten. Auch im globalen Norden entstehen Modelabels, die ausschliesslich Upcycling-Kleider verkaufen. Lassen sich auch Fasern recyclen? Da viele Kleider aus Mischgewebe bestehen, ist das Trennen und Wiederverwerten der Fasern kaum möglich. Aus weniger als 1 Prozent der Textilien werden Fasern gewonnen. Doch die Forschung sucht nach Verfahren, wie sich Fasern aufbereiten lassen, sodass aus Altkleidern wieder neue hochwertige Produkte werden können.
Forschungsprojekt der Hochschule Luzern zum Recycling von Textilfasern
"Fast Fashion ist nicht günstig. Irgendwo auf der Welt zahlt immer jemand einen Preis dafür."
Von der Fabrik bis in Ihren Kleiderschrank
Ein Kapuzenpullover für CHF 30.48 – zahlreiche Menschen waren an seiner Herstellung beteiligt.
Wie entstehen diese Profite? Wie ist eine so schnelle und günstige Modeproduktion überhaupt möglich? Wer stellt die Kleider her? Unter welchen Bedingungen? Was bedeutet die beschleunigte Produktion für die Umwelt?
Erfahren Sie mehr in unserer Sonderausstellung "mode macht geld".
Studie der Schweizer NGO Public Eye
Ein Blick hinter die Kulissen von Fast-Fashion und der Sonderausstellung "mode macht geld":
Die Angaben in der Ausstellung "mode macht geld" beruhen hauptsächlich auf folgenden Informationsquellen:
Hintergründe – weiterführende LinksInterview mit Radio Summernight
Führungen für Gruppen und Schulklassen
Dialogische Führungen für Gruppen und Schulklassen können auf Voranmeldung gebucht werden. Angereichert werden die Führungen von den Erfahrungen und Geschichten unserer freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die globalen Entwicklungen der Modeindustrie der letzten 60 Jahre in ihrem Berufsleben miterlebt haben.
Für Schulklassen (7. bis 9. Klasse) eignet sich das Modul 3: "Tatort Textilindustrie – Kleider, Konkurrenz und Kollaps"
Gruppenführungen Schulangebote
Gruppenführungen
| Dauer | ca. 1,5 Std. |
| Anzahl Personen | max. 20 pro Führung |
| Kosten pro Führung | CHF 250.- (Museumseintritt inklusive) |
Unterstützung und Kooperation
Die Sonderausstellung ist Teil des umfassenden Projektes zur Weiterentwicklung des Museums Neuthals, die von zahlreichen Förderern und Spendern ermöglicht wird. Die Sonderausstellung wird mit einem zusätzlichen Beitrag unterstützt von Huber+Suhner Stiftung und erfolgt in Kooperation mit Public Eye.
Ohne Sie läuft nichts – unsere Freiwilligen
«Handweben ist für mich mehr als ein Handwerk – es ist Leidenschaft. Besonders freue ich mich, mein Wissen an Schulklassen weiterzugeben, den Kontakt mit Jugendlichen zu pflegen und ihnen die Faszination der Textilgeschichte näherzubringen.»
Elsbeth Vontobel
Seit 2022 aktiv in der Weberei, engagiert in Schulführungen und Sonderausstellungen. Handweben ist ihre grosse Leidenschaft, die sie im zweiten Ausbildungsweg erlernt hat.